Beschäftigung von Eseln

Enrichment (etwas Theorie)
jetzt zur Praxis:
Beschäftigung
Gegen Langeweile
Lernspiele
Kunststückchen

Environment Enrichment

Auch für das geistige Wohl der Esel muss gesorgt werden. Das heißt auch dass man die natürliche Umgebung der Esel so gut es geht nachempfindet. Im Englischen gibt es dafür das schöne Wort Enrichment. Enrichment ist dabei ein Sammelbegriff für die Gestaltung der Umgebung des Esels, der Beschäftigung mit ihm und der Aufrechterhaltung des Wohlergehens der Tiere.

Ein frustrierter oder gelangweilter Esel kann eine Abneigung zeigen, mit uns zu interagieren, oder er langweilt sich und ist desinteressiert am Leben, was zu Gesundheitsproblemen führen kann. Die artgerechte Gestaltung des Geheges und die Beschäftigung mit den Tieren dient dazu sein normales Verhalten beizubehalten, Langeweile zu vermeiden, seine Bedürfnisse zu erfüllen, die Herausforderung der Domestizierung zu bewältigen, Übergewicht zu vermeiden und den Trainingszustand zu verbessern.

Ziele des Enrichments sind die Vielseitigkeit der Verhaltensweisen zu erhöhen, Stress und Frustration zu verringern, die normalen Verhaltensmuster zu fördern, die Umweltbedingungen besser zu nutzen, also die Esel mehr zu beschäftigen, und die Herausforderungen des Alltags besser zu bewältigen und damit gelassener umzugehen. Es geht also darum Eseln mehr Möglichkeiten zu bieten, mit ihrer Umgebung zu interagieren, Entscheidungen zu treffen und geistig und körperlich aktiver zu sein. Dabei ist auch zu beachten dass jeder Esel anders ist und die Anforderungen an das Enrichment für einen älteren Esel zB. andere sind als für einen jungen Esel.

Die Bereiche in denen man ansetzen kann sind:

  • Soziale Kontakte: Der Kontakt kann mit einem Tier oder mit anderen Lebewesen (Mensch oder Tier) stattfinden und erfolgt visuell, akustisch über Berührungen oder das Verhalten
  • Mentale Herausforderungen ermöglichen die Kontrolle über die Umgebung. Training und Bewegung beinhalten wie oft und wie viel sich ein Esel bewegt
  • Die Umgebung: Dies umfasst die Größe des Unterstandes und des Geländes und die Komplexität der Umgebung, einschließlich Einrichtung, Spielzeug, verschiedene Bodenbeschaffenheiten etc.
  • Sensorisch: Alles, was die Tiere visuell, akustisch, olfaktorisch (riechen), durch fühlen und durch berühren anregt und stimuliert.
  • Ernährung: Wie oft ist das Futter verfügbar und wie wird gefüttert? Was müssen Tiere tun, um zu zum Futter zu gelangen und es zu fressen? Welche Arten von Futtermitteln steht zur Verfügung (Grundnahrungsmitteln, Leckereien, Knabberäste etc)

Beschäftigung

Esel sind von Natur aus sehr neugierig, verspielt und beschnuppern und untersuchen gerne Gegenstände. Oft dauert es eine Weile bis sie ein Spielzeug akzeptieren. Sinnvoll ist es immer mal wieder neues Spielzeug ins Gehege zu tun mit dem er sich allein beschäftigen kann, s.u. (Vorsicht – Verletzungsgefahr bei einigen Gegenständen). Somit gewöhnt sich der Esel an die verschiedensten Dinge, wird gelassener und stärkt sein Selbstbewusstsein. Damit hat Spielzeug indirekt auch Einfluss auf die Art und Weise wie ein Esel mit spazieren geht.

Was kann man machen damit Esel sich nicht langweilen:

  • Das wichtigste überhaupt: nicht allein halten!
  • Spielzeug ins Gehege tun, z.B. Eimer , einen Besen, es gibt Gummibälle mit Henkeln oder ähnlichem dran, unserer beißt gerne in Stricke (nur unter Aufsicht – Vorsicht: verheddern), Gummistiefel , Verkehrshütchen,  usw. Also alles was sie ins Maul nehmen können oder rollen können. Man muss natürlich sicherstellen dass die Esel sich nicht verletzen können, das Spielzeug ungiftig ist, sie das Spielzeug nicht verschlucken können oder sich z.B. mit den Hufe drin verheddern können. Man muss halt mal ausprobieren mit was die Esel gerne spielen.
  • Knabberäste ins Gehege legen
  • Spazieren gehen
    • Die Wege dabei so gestalten dass man kleine Herausforderungen mit einbaut. Zum Beispiel quer durch den Wald gehen, an Stellen vorbei gehen an denen Pfützen sind, über kleinere Brücken gehen oder über einen kleinen Bach gehen. Wobei man, je nach Trainingszustand, einplanen muss dass es vor den Hindernissen „etwas“ länger dauert. Das Brückentraining von einem unserer Esel hat auch schon mal 3 Stunden gedauert, siehe ➚Brücken- und Bachtraining.
  • Bodenarbeit
    • Führtraining
    • über kleinere Hindernisse springen lassen
    • Slalom laufen um Hütchen herum
    • Kunststückchen beibringen (siehe unten)
    • longieren (schwer)
    • die ➚ Horsemanship – Spiele spielen
  • Verladetraining

Auf den unten genannten Seiten von der Donkeysanctuary hab ich noch weitere Ideen entdeckt und das kurz übersetzt.  Die genaue Beschreibung ist auf Englisch unter dem zweiten Link zu finden.

Ein Karton mit Leckerlies oder Stroh- und Eselfutter ins Gehege legen, so dass Esel arbeiten müssen, um herauszufinden was drin ist. Damit wird die Neugierde und die geistigen Fähigkeiten gefördert.

Im Gehege Eselfutter verteilen dass unter Eimern versteckt ist. Steigerung: Die Eimer mit Decken bedecken.

Gummiestiefeln die mit Vanilleextrakt behandelt wurden ins Gehege legen. Der Gedanke dabei ist, dem Esel einen neue Dufterlebnisse sowie neue Futtererlebnisse zu ermöglichen.

Verschmieren / Platzieren von Bananen entlang von Zäunen und Baumstämmen. Geistige Fähigkeiten werden gefördert, die Neugierde wird geweckt, neuartige Gerüche und Geschmacksrichtungen werden gelernt und die Esel bewegen sich mehr

Löcher in Baumstämme oder Holz bohren und mit (unbekannten) Lebensmitteln füllen und im Gehege aufhängen.

Aus einem Geschirrtuch, Handtuch etc ein Paket formen, sie mit Leckerlies befüllen und zubinden (Vorsicht: die Schnur kann eventuell verschluckt etc werden). Die Esel werden beschäftigt und müssen sich das Futter erarbeiten.

Apfel- und Möhrenstücke, durch die ein kleines Loch an einer Schnur befestigen und aufhängen (Vorsicht Schnur)

Futter verstreuen bzw an verschiedenen Orten platzieren.

Die Höhe ändern in der ein Esel nach Futter sucht. Dadurch wird auch die Fütterungszeit erhöht.

Ein ca 14cm großes Abflussrohr in das Löcher gebohrt werden, auf den Boden legen und mit Haselnüssen, Buchenholz oder Zweigen füllen, an die die Esel herankommen müssen. Steigerung: Das Rohr aufhängen. (Haben wir gemacht, das Rohr muss auch gerollt werden damit das Innere herausfällt. Manche Esel verstehen das, andere brauchen länger.)

Ganz „einfach“: Die Umgebung verändern um die Esel zum Nachdenken zu bringen und um Routine und Langeweile zu vermeiden.

Ginsterzweige aufhängen oder in Futtertrögen zur Verfügung stellen. Esel knabbern gern an Ginster, die Zweige müssen aber aufgrund der Stacheln vorsichtig gegessen werden. Steigerung: die Zweige aufhängen

Die Zugangsorte für die Weide etc verändern. Damit könne sie nicht mehr den direkten Weg nehmen sondern müssen sich mehr bewegen.

Eine Schachtel mit Löchern basteln und darin Kräuter platzieren die dann durch die Löcher wachsen.

Rüben aufhängen.

Ungiftige Kräuter und Futterpflanzen anpflanzen. (Vorsicht: Die Esel knappern auch gerne die Jungpflanzen ab)

Natürlich Bodenarbeit (Beispiele sind hier ja aufgeführt), mehr Zeit mit der Pflege verbringen und mit den Eseln spazieren gehen. Allgemein: mehr Zeit mit den Eseln verbringen.

Spielzeuge ins Gehege legen (Beispiele sind auf hier Seite zu finden). Esel streiten außerdem gerne um die Gegenstände.

Brombeeren, getrocknete Brennnesseln und Disteln in ein kleines, gelochtes Heunetz stecken

Einen Spiegel der natürlich nicht abfallen oder zerbrechen darf im Gehege platzieren.

Lernspiele für Esel (Beispiele)

  • Teppich ausrollen
  • einige haben es auch schon geschafft dass der Esel einen größeren Ball vor sich her rollt
  • Papierkarton den die Esel zerpflücken können
  • Apfel(stücke) in Wassertrog schwimmen lassen, die Esel müssen den Apfel dann mit dem Maul herausholen und dürfen ihn natürlich fressen
  • rückwärts gehen
  • seitwärts gehen
  • Hütchenspiel: mit dem Maul ein Hütchen hochheben
  • Kissenschlacht: ein Kissen hin und her wedeln mit dem Maul.

Kunststücke

  • Steigen
  • auf Podest steigen (nur mir Vorderläufen / mit allen Beinen)
  • Apportieren: Etwas mit dem Maul (Wasserflasche z.B.) hochheben
  • einen Vorderhuf hochheben (Winken)
  • Kiste mit Klappdeckel aufmachen
  • auf Podest steigen lassen
  • über Plane gehen lassen
  • über eine Wippe gehen

Die Spiele Hütchenspiel, Kissenschlacht, Ballspiel, über eine Plane gehen, Teppich ausrollen, Apfel tauchen, Podest erklimmen und Kiste öffnen sind im folgenden etwas genauer beschrieben.

Kissenschlacht

Zeigt der Esel überhaupt Interessen am Kissen? Wenn nicht gehen wir langsam mit dem Kissen auf den Esel zu und sobald der Esel den kleinsten Schritt zurück macht gehen wir auch wieder zurück (Prinzip Annäherung und Rückzug aus dem Horsemanship). Irgendwann wird der Esel Interesse für das Objekt bekunden, dann legen wir das Kissen auf den Boden und warten bis der Esel darauf zugeht. Tut der Esel etwas im Sinne der Übung loben wir ihn. Irgendwann wird er es beschnuppern, rein beißen wollen etc. Dann hat er seine Angst verloren. Diese Prinzip, kurz zusammengefasst, kann man auf alle Gegenstände anwenden wovor der Esel Angst hat.

Wir loben anschließend wenn der Esel das Kissen hochhebt.

Das Hütchenspiel

Hat der Esel Angst vor dem Hütchen wenden wir wieder das Prinzip Annäherung und Rückzug an. Anschließend loben wir wieder wenn der Esel es ableckt oder anbeißt und anschließend wenn er das Hütchen hochhebt.

Ballspiel

Zunächst üben wir dass der Esel keine Angst vor dem Ball hat. Das Prinzip ist wieder das gleiche wie bei der Kissenschlacht. Eventuell stupst der Esel den Ball dann mit dem Maul oder sogar den Huf an, dann loben wir wieder. Anschließend können wir den Ball auch etwas wegrollen, vielleicht geht der Esel ja hinterher.

Über eine Plane gehen

Wir führen den Esel an die Plane heran. Hat er Angst -> Annäherung und Rückzug. Dann tun führen wir weiter in die Richtung über die Plane. Der Esel wird stehen bleiben. Wir ziehen leicht, steigern die Kraft und sobald der Esel eine noch so kleine Bewegung in Richtung der Plane macht, den Huf hochhebt usw. lassen wir sofort das Seil locker und loben. Das machen wir solange bis der Esel auf der Plane steht, dann loben wir wieder kräftig und führen den Esel wieder von der Plane herunter.

Teppich ausrollen

Sobald der Esel sich den Teppich ansieht oder beschnüffelt loben wir ihn. Anschließend loben wir nur noch sobald der Teppich sich nur etwas bewegt hat. Dann üben wir dass der Esel auf den Teppich geht. Wir können ihn z.B. darauf führen und sofort wieder loben sobald er etwas im Sinne der Übung tut (Huf anheben, Huf auf Teppich stellen etc). Das Prinzip ist das gleiche wie wenn man übt über eine Plane zu gehen. Anschließend kann man Leckerlies im Teppich mit einrollen. Oder wir loben ihn wieder sobald er den Teppich anstupst usw.

Apfel tauchen

Man muss beobachten wie geschickt sich die Esel dabei anstellen. Fällt es ihnen schwer kann man die Wasserhöhe erstmal nur sehr gering halten. Außerdem kann man die Größe des Wassergefäßes variieren.

Podest erklimmen

Man führt den Esel zunächst an das Podest heran. Anschließend kann man einen Vorderfuß auf das Podest stellen und lobt dann wieder. Man kann aber auch so tun als gebe es das Podest gar nicht und führt einfach weiter. Der Esel bleibt natürlich vor dem Podest stehen. Dann wenden wir wieder die aus dem Horsemanship bekannten Regeln an. Wir ziehen leicht am Strick, erhöhen den Druck und sobald der Esel einen kleinen Schritt auf das Podest zu oder sogar auf das Podest macht loben wir wieder und lassen SOFORT den Druck nach. Der Esel wird vielleicht versuchen um das Podest herumzugehen, dann gehen wir eben von einer anderen Seite auf das Podest.

Kiste öffnen

Wir sorgen wieder dafür dass der Esel keine Angst vor der Kiste hat und lassen die Kiste anschließend wieder beschnüffeln. Dann wird wieder gelobt. Dann wird der Esel nur noch gelobt wenn wenn der Esel die Kiste auf der Seite berührt auf der der Deckel aufgeht. Irgendwann wird der Esel den Deckel leicht anheben, dann loben wir wieder usw. Aufpassen muss man natürlich dass der Deckel dem Esel nicht auf die Schnauze fällt.

Quellen:

Einige Ideen sind aus dem Buch Nathalie Penquitt: Lernspiele für Pferde entnommen und auf Esel angepasst worden.

Hier die Quelle von der Donkeysanctuary mit den Beispielen für die Beschäftigung:

https://www.thedonkeysanctuary.org.uk/what-we-do/knowledge-and-advice/for-owners/environment-enrichment

https://view.pagetiger.com/EnvironmentalEnrichmentforDonkeys/EnvironmentEnrichmentfordonkeys (wenn man auf das Symbol mit dem Schraubenschlüssel geht kann man sich das Dokument auch als PDF anzeigen lassen)

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