Ein Esel wird über ein Minenfeld getragen

Es ist nur eine Banalität, aber mich nervt grade etwas: Bei dem Bild hier wird behauptet dass ein Soldat einen Esel über ein Minenfeld trägt und dann alles mögliche hinein interpretiert, auch was Corona betrifft. Das stimmt aber so nicht:
Das Bild wurde im Algerienkrieg 1958 gemacht und zeigt einen geschwächten Esel der von einem Soldaten der 13. Brigade in das Lager des Soldaten getragen wird. Der Esel wurde in der Wüste gefunden und wäre dort verhungert. Der junge Esel wurde dann im Lager wieder aufgepäppelt und wurde das Maskottchen der Einheit. Eigentlich ist die wahre Geschichte viel schöner.

Quellen:
https://fakehistoryhunter.wordpress.com/2020/04/04/not-a-donkey-being-carried-across-a-minefield/
https://www.mimikama.at/aktuelles/esel-coronavirus/
u.s.w.

Das Foto geht noch immer viral und ich hab jetzt viele Male die Geschichte mit dem Minenfeld gelesen.

Esel im Death Valley

Im Death Valley gibt es mehrere tausend Afrikanische Wildesel (im Jahr 2005 ca 3000 Tiere). Sie haben grundsätzlich keine Feinde dort und sind auch nicht von Krankheiten bedroht, so dass ihre Anzahl exponentiell steigt.

Die Tiere wurden im 19. Jahrhundert dort angesiedelt und wurden damals im Bergbau eingesetzt. Als sie dann nicht mehr gebraucht wurden weil die Minen versiegten, wurden sie im Death Valley ausgesetzt.

Mittlerweile werden sie dort allerdings nicht mehr gerne gesehen weil sie die knappen Resourcen verbrauchen und angeblich die einheimische Arten verdrängen.

In den 1930er Jahren wurden die Tiere dann eingefangen und getötet. Auch wenn 1971 ein Gesetz erlassen wurde dass die Jagt auf Mustangs und Esel verbot wurde trotzdem versucht die Population so gering wie möglich zu halten. 2002 wurde dann beschlossen 2500 der Tiere einzufangen und außerhalb in Schutzgebieten und Auffangeinrichtungen unterzubringen.

Die Esel graben bis zu 2m tiefe Löcher um an das Grundwasser zu gelangen. Dieses Verhalten wurde zunächst an verschiedenen Standorten außerhalb des Death Valleys in Arizona studiert. An diesen Löchern wachsen Pappeln und Weiden, außerdem dienen die Löcher als Wasserquellen für Amphibien, Insekten und Säugetiere.

Anders als in Arizona wo die Wasserläufe sich mit der Jahreszeit ändern, kommt das Wasser im Death Valley aus dem Schlickboden der umgebenden Berge, was zu dichter Vegetation rund um die Quellen an den Hängen führt. Die Wildesel nun erschließen dort neue Wege durch die Vegetation , graben Wasserlöcher und halten diese frei von Vegetation was wiederum den einheimischen Arten nutzt. Außerdem sorgen die Esel dafür dass die Wasserquellen offen bleiben. Nur dadurch kann die ursprüngliche Fischpopulation erhalten bleiben. Die Esel machen damit das was früher pleistozäne Säugetiere und später die einheimische Bevölkerung gemacht haben.

Seit 2018 wird das 2002 beschlossene Vorhaben die Tiere aus dem Death Valley zu entfernen umgesetzt. Die Vegetation um die Wasserquellen muss nun wieder von Menschen entfernt werden, etwas was die Esel vorher getan haben. Auch das Argument dass die Esel keine natürlichen Feinde haben ist mittlerweile widerlegt, da es im Death Valley auch Berglöwen (Pumas) gibt. Die Berglöwen werden aber ab einem bestimmten Alter geschossen, zurück bleiben junge, unerfahrene Löwen die sich damit schwer tun die Esel erfolgreich zu jagen. Außerdem halten sich die Esel gerne in der Nähe von menschlichen Siedlungen auf die Löwen gerne meiden. Es sieht also nur so aus als ob die Esel keine natürlichen Feinde hätten, das Problem ist auch hier wieder einmal menschengemacht.

Dass Esel einen Einfluss auf die wasser- und futterarme Region haben und dass das Ökosystem nur wenig belastbar ist steht außer Frage. Ob die Esel dem Ökosystem mehr schaden oder mehr nutzen, dazu braucht es in den nächsten Jahren weitere Studien. Letztlich gab es im Pleistozän in Nordamerika schon Pferde, Kamele und Nashörner die dann aber ausgestorben sind. Tiere also die sich so verhalten haben wie die Esel im Death Valley heute. Die Pferde und Esel die dann von den Europäern in Nordamerika wieder eingeführt wurden füllen nun diese Lücke aus so ein weiteres Argument.

Quellen:
https://www.nps.gov/deva/learn/news/donkey-rescue-group-to-relocate-burros-from-death-valley.htm
https://undark.org/article/death-valley-burros-fate/

China, Ejiao und der Eselhandel

Die Nachfrage nach Eseln ist in den letzten Jahren weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit stark gestiegen. Man hört über das Problem mit dem Eselhandel kaum etwas, deswegen hab ich die heutige schlaflose Nacht mal dazu genutzt mir einen Überblick zu verschaffen.

Worum geht’s?

Es geht um „Ejiao“ (阿膠). Das ist ein hartes Gel das in Alkohol oder heißem Wasser aufgelöst werden kann um dann in Nahrungsmitteln oder Schönheitsprodukten verwendet zu werden. Für die Herstellung von Ejiao werden Eselfelle benödigt. Die Eselhaut wird dabei ausgekocht und zu Gelatine verarbeitet.
Ejiao wird in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. Es soll ganz allgemein die Gesundheit verbessern, das Altern rückgängig machen, gegen Anämie helfen, das Yin nähren, Menstruationsschmerzen und Schlaflosigkeit behandeln und auch als Aphrodisiakum dienen. In China ist die Nachfrage danach in den letzten Jahren aufgrund des zunehmenden Wohlstandes extrem gestiegen.

Die bekannteste chinesische Firma verkaufte die 240-Gramm-Packung 2017 für rund 150 Euro. Das heißt ein kg Ejiao kostet 625 Euro. Wenn man die unten genannten Zahlen zugrunde legt kann man aus einem Esel, der in Westafrika 2018 150 Euro gekostet hat, 1,25 kg Ejiao „herstellen“, das man dann eben für ca 780 Euro verkaufen kann. Ausgaben von 150 Euro plus Transport, Verarbeitung etc stehen also Einnahmen von 780 Euro gegenüber.

China produziert insgesamt jährlich (2017) rund 5000 Tonnen „Ejiao“, wofür pro Jahr rund vier Millionen Esel sterben müssen. Rund die Hälfte der Tiere kommt aus dem Inland. Die andere Hälfte, 2,2 Millionen, kommen aus Afrika, Südamerika und Teilen Asiens. Die Nachfrage ist dabei deutlich höher als das Angebot. Das heißt der Handel ist nicht nachhaltig und durch Kriminalität geprägt. Überall auf der Welt werden quasi über Nacht Esel gestohlen und enthäutet.

In China eröffnen somit immer mehr Eselfarmen, doch die Tiere werden dort unter schrecklichen Bedingungen gehalten. Die chinesische Regierung hat außerdem die Einfuhrzölle auf Eselhäute aufgrund der starken Nachfrage gesenkt.

Äthiopien hat die weltweit größte Eselpopulation, entsprechend wurden von dort auch sehr viele Tiere nach China exportiert. Zwischen Äthiopien und Kenia existiert dabei ein illegaler Handel mit Eseln. D.h. die Esel werden in Äthiopien gejagt und nach Kenia transportiert. In Kenia werden sie dann zu Schlachthöfen gefahren. Die Schlachtung der Esel ist für die Tiere dabei sehr qualvoll und langwierig. Wobei eine gewisse Bereitschaft der äthiopischen Regierung vorhanden ist den Handel zukünftig zu unterbinden. (Zusammenarbeit von äthiopischen Experten und der Donkey Sanctuary). Kurz zuvor wurde mit Mitgliedern des europäischen Parlamentes über das Thema diskutiert. Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent nimmt der Diebstahl und die Tötung von Eseln in dramatischem Ausmaß zu. Einige Nationen haben mittlerweile Verbote oder Beschränkungen für die Schlachtung und Ausfuhr von Eseln erlassen.

Die gestohlenen Esel sind meistens Arbeitstiere, was bedeutet, dass die Besitzer dann keine Tiere für den Transport haben und ihre Produkte nicht auf Märkten anbieten können, kein Wasser holen können oder Kinder nicht zur Schule bringen können. Der Handel mit Fellen bedeutet, dass der Wert von Eseln dramatisch gestiegen ist. Dies macht Diebstahl wahrscheinlicher, macht es aber auch für Besitzer viel schwieriger, einen gestohlenen Esel zu ersetzen. In Ägypten sind die Kosten für den Kauf eines Esels von 17 auf 170 £ gestiegen. Außerdem führt der Handel zu Umweltproblemen. Die Auswirkungen des Verlustes von Eseln können für die Gemeinden verheerend sein. Wilderer steigen außerdem von z.B. dem Handel mit Elfenbein auf den Handel mit Eselhäuten um.

Mittlerweile werden auch in Südamerika, vor allem Brasilien, Esel nach China exportiert. Natürlich wird auch dort gegen Gesetze verstoßen, außerdem müssen die Tiere auch hier sehr leiden. Die chinesischen Händler lassen die Tiere z.B. absichtlich hungern weil der Transport dann billiger ist und der Export dann weniger bürokratisch ist. Ein gesundes Tier bringt den gleichen Gewinn wie ein krankes, schwaches Tier so dass die Händler oft keinen Wert auf das Wohlergehen der Tiere legen. Es wird befürchtet dass einige Eselrassen in Brasilien aussterben werden. Hat Brasilien im Jahr 2016 24.198 Tonnen [wer kommt auf so eine Maßeinheit, hier geht’s um Tiere] Esel nach China exportiert, waren es im Jahr 2018 schon 226.000 Tonnen (inkl Vietnam).

Nur durch das Eingreifen der Donkey Sanctuary wurde 2018 verhindert dass auch aus Pakistan 80.000 Esel nach China geliefert wurden.

Die Donkey Sanctuary hat eBay 2017 erfolgreich dazu aufgefordert, den Verkauf von Ejiao zu stoppen

Außerdem haben die Mitarbeiter von der Donkey Sanctuary in Großbritannien mit geholfen das Problem aufzudecken und engagieren sich seit vielen Jahren gegen den Eselhandel.

Die Informationen sind somit auch vor allem der Seite der Donkey Sanctuary unterhttps://www.thedonkeysanctuary.org.uk/news/ entnommen.

https://www.berliner-zeitung.de/panorama/chinesische-medizin-millionen-esel-muessen-fuer-naturmedizin-sterben-29414094
https://www.dw.com/de/mehr-nachfrage-aus-china-afrika-gehen-die-esel-aus/a-42762641
https://www.taiwannews.com.tw/en/news/3643806?fbclid=IwAR3ta_jz1SRck35dh5ED4EkHJw2Y1ln9gwfboFf9LabRpbL-MLOReOQOwe4
http://www.taz.de/!5474209/

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Kälteempfinden von Eseln

Esel spüren laut einer Studie die Kälte wohl mehr als bisher angenommen. Sie sind in geringerem Maße als Pferde in der Lage sich an die Kälte und Nässe anzupassen und benötigen daher im Winter besonderen Schutz. Die Forscher nahmen im März, September und Dezember Haarproben von den Tieren und maßen Gewicht, Länge und Breite des Haares als Indikatoren für die Isolationseigenschaften des Haarmantels. Sie fanden keinen signifikanten Unterschied im Haarkleid der Esel über die Jahreszeiten. Alle drei Messungen der Isolationseigenschaften der Haarproben zeigten, dass Esel keinen Wintermantel bilden. Das Haar der Esel war im Winter deutlich leichter, kürzer und dünner als das von Pferden und Maultieren. Im Gegensatz dazu änderten die Haare der Pferde zwischen den Jahreszeiten erheblich und wurden im Winter dicker. Esel sind trotz ihres flauschigen Aussehens nicht so isoliert wie Ponys.

Der Artikel sagt wie gesagt auch aus dass es bei Maultieren und Pferden zu großen saisonalen Veränderungen im Haarkleid kommt, nicht aber bei Eseln. Esel bekommen aber eindeutig mehr Fell im Winter, das weiß jeder Eselbesitzer. Ich stell das mal zur Diskussion.

In der zugrunde liegenden Studie steht als Schlussfolgerung: „Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Esel nicht in der Lage sind das Gewicht, die Länge und die Breite der Haare in Abhängigkeit von kälterem Winterwetter wesentlich zu verändern. Daher stützen diese Daten die Notwendigkeit, getrennte Maßnahmen für Esel und Pferde, die in gemäßigten Klimazonen leben, zu ergreifen. …“

Aber wie gesagt: Esel bekommen Winterfell. Das ist Fakt.

https://www.horsejournals.com/horse-care/seasonal-care/spring/donkeys-feel-cold?fbclid=IwAR1TqrSYWMFz6puD-_tLvHR9sNVai7zpvoOgKVbsCjKuH548w7mJ6FRuhbA

Der Fachartikel dazu: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/evj.12775

Esel als Herdenschutztiere

Seit 4 Jahren nun engagiert sich die Noteselhilfe gegen Esel als Herdenschutztiere, bisher leider mit mäßigem Erfolg. Gründe gibt es viele Esel nicht als Herdenschutztiere einzusetzen. Die eiweiß- und kohlehydratreichen Weiden die für Esel nicht geeignet sind (verursacht Fettleibigkeit, Hufrehe usw), der fehlende Unterstand (Esel haben keine wasserabweisende Fettschicht unter dem Fell), der feuchte Untergrund verursacht Hufprobleme usw. Außerdem – Esel sind Herdentiere und dürfen nicht einfach allein zu Schafen gestellt werden.

Es gibt dabei viele Missverständnisse. Auch wenn Esel teilweise aggressiv gegenüber Hunden reagieren (unsere sind da ganz relaxt), so greifen sie als Herdenschutztiere keine Wölfe an. Hunde wiederrum agieren und reagieren ganz anders als Wölfe. Weitere Informationen erhält man im Noteselkurier vom Januar 2019 (PDF, ab Seite 8). Der Noteselkurier kann hier angesehen werden. Flyer zum Thema können von der Noteselhilfe bestellt werden.

Informationen dazu von der Noteselhilfe [Pdf]: https://www.noteselhilfe.org/cms/wordpress/wp-content/uploads/2019/02/Esel-als-Herdenschutztiere_neu.pdf

Die Eselpopulation sinkt weltweit rapide

Grund ist dass China eine riesige Nachfrage nach Eselhäuten hat. Die werden unter anderem für die traditionelle chinesische Medizin verwendet. Auch ist Eselfleisch ein beliebtes Nahrungsmittel.

In China ist die Eselpopulation dramatisch gesunken, deswegen werden immer mehr Esel aus Afrka importiert. Der Preis für einen Esel hat sich teilweise schon verdoppelt. Die Tiere werden den Besitzern dort oft einfach geklaut.

Die Tiere werden teilweise auch einfach zu tode gehungert um die Haut besser abziehen zu können.

Weltweit wird mit etwa 1,8 Millionen Eselhäuten gehandelt, die Nachfrage ist aber 5 Mal so hoch. Die Population in China ist von 11 Milionen Tieren 1990 auf heute 3 Millionen Tiere geschrumpft. Die Gelatine die aus der Haut produziert  wird für bis zu 388 $ pro Kilogramm verkauft.

 

https://www.thedonkeysanctuary.org.uk/under-the-skin/what-is-ejiao
http://www.bbc.com/news/world-africa-41524710